von Prof. Dr. Harald Schweim
Es ist ein zur Familie der Hörner gehörendes Musikinstrument, heute aus der Gruppe der Blechblasinstrumente, mit kreisförmig gewundenem -meist - Messingrohr. Jagdhörner waren in ihrer ursprünglichen Verwendung als Signalinstrumente (Signalhörner) bei Jagden im Einsatz. Auf große Entfernungen konnten so Befehle und Richtungsanweisungen für die Treiber usw. gegeben werden. Heute gehört das Spielen des Jagdhorn mehr zum jagdlichen Brauchtum, als zum praktischen Signal-Einsatz.
Wie auch bei den militärischen Signaltrompeten handelt es sich meist um Varianten der Naturtrompete: Hier fehlen jedoch (fast immer) Klappen oder Ventile, der Tonumfang ist entsprechend eingeschränkt auf etwa fünf Töne. Schon im frühen Mittelalter (800–1000 n.Ch.) war das weithin hörbare Jagdhorn beliebt und galt außerdem als „heilig“: Niemand außer dem berechtigten Träger durfte es berühren, beziehungsweise blasen. Das Hifthorn, auch Hiefthorn, wurde als das wohl älteste (Jagd)-Horn vom Jäger und anderen Berufsgruppen geblasen. Es wurde auch von Nachtwächtern, Feuerwärtern, Türmern und Hirten verwendet. Auch Bäcker, Metzger (Metzgerpost) und Postillione bliesen so ihre Signale (Posthorn). Zeitweise wurde auch die Bezeichnung Hüfthorn verwendet, was sich von der Mode ableitete, das Horn an einer längeren Kordel an der Hüfte zu tragen. Es war aus Büffel- oder Stierhorn (Rinderhorn) gefertigt. Der Name leitet sich von althochdeutsch „hiofan = wehklagen“ ab.
Mittelhochdeutsch „hief“ oder „hift“ bedeutet „Jagdsignal“. Bei der weiteren Entwicklung bekam es ein Mundstück aus Metall. Ab dem 16. Jahrhundert waren Hifthörner gebräuchlich, die ganz aus Metall gefertigt waren. Aus dem Hifthorn wurde das Jagdhorn entwickelt.
Die aus Byzanz stammende Elfenbeintrompeten, genannt „Olifant“, wurde im 11. und 12. Jahrhundert von Edelleuten geblasen. Er war aus einem Elefantenzahn gefertigt, etwa drei bis vier Kilogramm schwer und wurde an der rechten Hüfte getragen. Die mittelalterlichen Ritter verwendeten auch kostbare Ausführungen, die mit Gold beschlagen waren.
Abb. rechts: Olifant, Karl dem Großen zugeschrieben, Domschatzkammer Aachener Dom
Das „Parforcehorn“, auch „Trompe de chasse“ ist ein Jagdhorn mit
großen Rohrwindungen und weiten Stürzen, das bei der Parforcejagd vor allem in Frankreich Verwendung fand. Parforcehörner dienen vorrangig im jagdlichen Brauchtum zum Blasen von Jagdsignalen. Die große Windung erlaubt es, Kopf und Arm hindurchzustecken und das Horn über der Schulter zu tragen. So bleiben beide Hände zum Reiten frei. Parforcehörner werden heute auch konzertant in so genannten Bläsercorps geblasen, die Instrumente in Es oder Es/B üblicherweise allein, wobei vierstimmige Sätze überwiegen. Das Parforcehorn in Es klingt nur einen Halbton höher als die in D gestimmte Trompe de chasse und lässt sich genau so gut wie diese überblasen. Daher können auf Parforcehörnern in Es auch die für die Trompe de Chasse komponierten Stücke gespielt werden. Begünstigt wird dies dadurch, dass höherwertige Instrumente, vor allem solche ohne Umschaltventil, mittlerweile über einen ähnlich großen Dynamikbereich wie die Trompe de Chasse verfügen. Einige romantischen Opern, wie Der Freischütz von Carl Maria von Weber im „Jägerchor“ und Joseph Haydns Oratorium Die Jahreszeiten setzen zur künstlerischen Wirkung auf eine Imitation dieser Instrumente. Die Melodie für den Freischütz lässt sich mit den 6. bis 14. Tönen der Naturtonleiter blasen.
Abb. rechts: Die Tagung des Vereins „Forum lebendige Jagdkultur e.V“ 2026 fand in Piasek-Pszczyna in Polen statt. Zum m.E. „krönenden“ Abschluss fand vor dem Schloss ein Konzert für Parforcehörner in Es-Dur statt.
Der Sauerländer Halbmond ist ein sichelförmiges Jagdhorn aus Messing, das heute noch von Bracken-Jägern verwendet wird. Gebräuchlich ist heute, als kleinere Form des Jagdhorns im deutschsprachigen Raum, das fünftönige Fürst-Pless-Horn (oder kurz Pless-Horn) meist in der Tonart B, das erst seit den 1880er Jahren verbreitet ist.
Abb. rechts: Sauerländer-Halbmond-Bläsercorps „Horrido“ Attendorn 1956. Der im Verhältnis zu den „schärfer“ klingenden Pless-Hörnern angenehm weiche und dunkle Ton der aus Kupferblech getriebenen Sauerländer Halbmonde sind ein eindrucksvolles Klangerlebnis. Bild von der Tagung des Vereins „Forum lebendige Jagdkultur e.V“ im Parkhotel Surenburg 2024.
Eine Besonderheit in der Rezeption von „Jagdhorn-Musik“ ist mein Hund Finley. Wenn die Familie aus dem Haus ist hören wir beide gerne solche Musik von der CD und er lauscht ohne Mucks. Hören wir – z.B. auf einer Jagd ein Bläserchor, das sich einige Fehler „erlaubt“ grummelt er oder gibt gar Laut. Und wenn ich selbst zu Hause übe, flieht er aus dem Raum, sobald ich das Horn anfasse. Soviel zur „Musikalität“ von Hunden, speziell Finley.
Das Horn wurde abhängig von seiner Entwicklungsstufe und der Epoche sehr unterschiedlich eingesetzt. Die Entwicklung reicht von Signalrufen (Jagdmotive) im Barock (meist paarweise auftretend, Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel) bis hin zum
„klangfüllenden“ romantischen Stilmittel in der Sinfonie, wobei die Signaleigenschaft in den Hintergrund tritt, die Assoziation mit der Natur jedoch geblieben ist. Besonders beeindruckend finde ich, dass das Horn auch in moderner (hier als Beispiel ein Blues) Musik einsetzbar ist